B: Eine Frau, die ein Kind erwartet, ist - wie man so schön sagt - guter Hoffnung. Was aber, wenn sich anstatt der Hoffnung die Enttäuschung breit macht? Lilian, du und dein Mann, ihr habt 6 Jahre auf ein Kind gewartet. Habt ihr da die Hoffnung nicht verloren?
L: Doch, wir haben sie immer wieder verloren. Wir sind beide gläubig und haben dafür gebetet. Doch einmal, als ich mit Gott haderte, hatte ich den Eindruck, dass Gott mir sagte: Du hast mich nie gefragt, wann der richtige Zeitpunkt wäre. Es hat mich sehr erschüttert, dass ich gedacht hatte, dass Gott einfach meine Wünsche erfüllen sollte. Mein Mann wie ich sind danach zu Ärzten gegangen und haben mit Hormonbehandlungen angefangen. Diese Hormonbehandlungen haben in meinem Körper starke Schmerzen verursacht, schliesslich musste ich die Behandlung abbrechen. Dann musste ich zweimal zu einer Bauchspiegelung gehen und bekam die Diagnose der Endometriose; das sind Verwachsungen im Unterleib, die man nicht einfach nur mit Laser entfernen kann. Der Arzt sagte mir nach der ersten Bauchspiegelung, dass ich nur 60% Chancen hätte ein Kind zu bekommen, wenn überhaupt. Wir waren sehr enttäuscht und wussten nicht, wie wir darauf reagieren sollten.
B: Du bist aber doch schwanger geworden, trotz der 40% Unfruchtbarkeit.
L: Das waren die 100% von Gott. Nach der zweiten Bauchspiegelung sagte mein Arzt, dass mein Unterleib so sauber wäre, wie wenn noch nie eine Endrometriose da gewesen wäre. Nach drei Monaten wurde ich auch schwanger ohne medizinische Hilfen und sogar in der stressigsten Zeit, die ich durchgemacht hatte.
B: Gott hatte dich geheilt und hatte ein Wunder gewirkt und jetzt warst du also guter Hoffnung.
L: Guter Hoffnung ja, die aber bald wieder zerstört wurde. In der vierten Schwangerschaftswoche bekam ich starke Wehen. Dass das Wehen waren, wusste ich damals noch nicht. Ich musste einige Wochen liegen, worauf es mir wieder besser ging. Da dachte ich, alles ist überstanden, jetzt geht es wieder bergauf.
B: Ging es wirklich bergauf?
L. Leider musste ich in der 18. Woche wegen starken Wehen wieder ins Krankenhaus gehen und musste wieder 3 Wochen liegen. Wieder dachte ich dass es überstanden sei, als ich abermals notfallmässig ins Spital musste. Der Oberarzt sagte mir, dass mein Kind stark behindert auf die Welt kommen werde, da es drei Zysten im Gehirn hätte, wenn es überhaupt geboren werden könnte, weil das eine der schwersten Behinderungen überhaupt mit sich bringen würde. Das war für uns nicht nur ein Schock, sondern wir konnten auch Gott nicht verstehen. Eswäre, als hätte man das Schönste aus unserem Herzen gerissen. Wir gingen traurig nach Hause und haben die ganze Nacht durch mit Gott gerungen.
B: Habt ihr die Hoffnung jetzt verloren?
L: Im ersten Moment ja, weil wir nicht wussten, was auf uns zukäme. Die Ärzte haben uns zu verschiedenen Untersuchungen geraten und zu einem Abort, falls sich die Diagnose bestätigen würde. Wir haben dann mit viel Gebet und der Unterstützung von unserer Familien und den Ärzten den Entschluss gefasst, noch eine Untersuchung zu machen und dann alles Gott zu übergeben. Und so haben wir eine Fruchtwasserpunktion durchführen lassen und nach zwei Wochen des Gebetes das Ergebnis erhalten, dass wir einen Sohn bekämen, der keine genetischen Veränderungen aufwiese.
B: Wurde der Rest der Schwangerschaft nun von einer guten Hoffnung getragen oder hattest du noch Zweifel?
L: Auf der einen Seite ja, obwohl ich bis zum Ende der Schwangerschaft liegen bleiben musste, auf der anderen Seite kamen auch immer wieder Zweifel auf: Was ist, wenn die Zysten nicht verschwunden sind? Irgendwann kamen mein Mann und ich an den Punkt, da wir entschieden, keine Untersuchungen mehr zu machen, auch keinen Ultraschall vom Köpfchen, sondern wir haben den Sieg von Jesus über dem Baby und meinem Bauch ausgesprochen.
B: Euer Sohn kam im April 1997 auf die Welt.
L: Er war gesund und ist es auch heute noch. Wir sind Gott dankbar, dass er uns so einen wunderbaren Sohn geschenkt hat.
B: So kann man sagen, dass wer seine Hoffnung auf Gott setzt, nie enttäuscht sein wird.
L: Es kostet manchmal etwas, aber Gott enttäuscht uns nie. Nach acht Monaten wurde ich sogar wieder schwanger und so haben wir heute auch noch eine gesunde Tochter.
B: Danke Lilian für das Gespräch.